GESCHICHTSWERKSTATT BRÄUNLINGEN
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      Geschichtsverlauf Chronologie

      Zeittafel von Zeitzeugen und Informationen


      Diese Zeittafel erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit und ist zum Teil mit Informationen von Zeitzeugen gefüllt, die aufgrund fehlender Forschung (noch) nicht historisch-fachlich gesichert sind. Es ist eine Mischung aus vorhandenen Belegen und erzählerischen, z.T. unpräzisen Elementen, an die wir jedoch erinnern wollen, denn auch solches ist Teil von Geschichte.

      In Kursivschrift sind übergeordnete Geschichtsdaten erwähnt; diese helfen sehen, auf welchem größeren Hintergrund sich die Geschehnisse und Entwicklungen in Bräunlingen ereigneten.

      Unsere Geschichtswerkstatt ist jederzeit offen und dankbar für Korrekturen, Präzisierungen und Erweiterungen und bittet ausdrücklich darum. Wissenschaftlich historische Forschung könnte, sofern sie realisiert würde, voraussichtlich noch viel Neues ans Licht bringen. Das hier Aufgelistete sensibilisiert vielleicht für weiterführende Fragestellungen.

      1305-1806: Bräunlingen gehört als vorderösterreichische Enklave (mit kleinen
      Unterbrechungen) zum Haus Habsburg – und erlebt sich in seiner relativen Freiheit
      gelegentlich bedroht und „umzingelt“ von den Fürstenbergern.

      16.Jahrhundert: Für das 16.Jahrhundert sind Vorgänge um Menschen jüdischen Glaubens in Bräunlingen urkundlich belegt.

      17.Jahrhundert, 1651: „letzte Judenaufnahme“ in Bräunlingen (Balzer, S. … )

      Gegen Ende des 17. Jahrhunderts: Die Habsburger tolerieren keine Menschen jüdischen Glaubens mehr in ihrer Herrschaft (zu der auch Bräunlingen als vorderösterreichische
      Enklave zählt von 1305 bis 1806). Im Unterschied hierzu galt die Toleranz noch eine Weile lang im Fürstentum Fürstenberg, welches für Geldleistungen Menschen jüdischen Glaubens bei sich aufnahm.

      1806-1871: Die Markgrafschaft Baden wird 1806 ‚Großherzogtum‘ als souveräner Staat. Mit Menschen jüdischen Glaubens wird Toleranz gelebt, so dass das Judentum in Baden eine Blütezeit erlebt.

      1806: Die Zugehörigkeit Bräunlingens zu Habsburgs „Vorderösterreich“ endet, ab jetzt gehört Bräunlingen politisch zum ‚Großherzogtum Baden‘. Ein Spruch auf der Fassade des Stadttores (Mühlentor) erinnert seit dem Umbau im Jahre 1904 an den 1806 erfolgten Wechsel der Staatszugehörigkeit:

      „Wie einst zum Hause Österreich,
      stehn treu wir jetzt zum Deutschen Reich“.

      1871: Das ‚Großherzogtum Baden‘, zu dem Bräunlingen seit 1806 gehört, verliert seine Souveränität als eigenständiger Staat und ist ab jetzt nur noch teilautonomer ‚Bundesstaat‘ innerhalb des Deutschen Kaiserreiches. Damit ist auch das Ende der vorgängig kurzen Blütezeit des Judentums in Baden gegeben, der Antisemitismus nimmt nun wieder zu.

      24.07.1871: In Bräunlingen wird Berthold Kaufmann, ein Handelsmann ‚israelitischen‘
      Glaubens aus Gailingen, ermordet (Raubmord). Täter ist der Bräunlinger Zimmermann Anton Laucher, der den Leichnam zerstückelt und unter einer Bodendiele verwahrt. Der Fall wird am 25.Oktober 1871 am Schwurgericht Konstanz verhandelt. Laucher wird zu zwanzig Jahren Zuchthausstrafe verurteilt. Seither haben die Bräunlinger den Übernamen „Schenkilisäger“.

      1903: Dr. Eugen Balzer veröffentlicht einen „Überblick über die Geschichte der Stadt
      Bräunlingen“ und notiert darin auch Elemente zur örtlichen jüdischen Geschichte. Dabei erwähnt er „jetzt sind keine Juden hier ansässig“.

      1905: Fa. Straub beginnt mit der Holzwoll-Produktion, der Müllereibetrieb wird 1911
      eingestellt, Mehl wird noch bis zu Beginn des ersten Weltkrieges verkauft; später stellt Straub auf Wellpappe um und treibt deren Vertrieb besonders ab 1936 voran, nachdem zuvor erhebliche Investitionen und Baumaßnahmen getätigt wurden. Später erfolgt (wann?) die Einführung einer Betriebskasse für Mitarbeiter für den Fall von Verdienstausfällen.

      1912: Grundsteinlegung/Bau des großen neuen Schulhauses

      1914-1918 und Folgejahre: Auch die Bräunlinger erfahren mit dem 1.Weltkrieg viel Leid und Einschränkungen. Viele Bräunlinger Männer sterben als Soldaten, Bräunlingen hat im Ersten Weltkrieg 103 Opfer zu beklagen. In der Folgezeit herrschen teilweise sehr ärmliche Verhältnisse (Zeitzeugenaussage).

      Geschichtsverlauf Weimarer Republik (1918-1933)


      Es gibt drei große politische Kräfte: das Katholische Zentrum, die Liberalen Demokraten und die Sozialdemokraten. Die Kommunisten spielen keine große Rolle. Die Arbeiterschaft und andere haben ihre eigenen Vereine, es kommt immer wieder vor, dass man sich gegenseitig ‚abschmierte‘.
      Bürgermeister ist Martin Müller (SPD) in Bräunlingen während der Weimarer Republik. Lokale Tageszeitungen sind der ‚Donaubote‘ (Katholisches Zentrum), das ‚Donaueschinger Tagblatt‘ (Demokratische Liberale) und das ‚Schwarzwälder Tagblatt‘ (Nationalsozialisten).


      1921/1922: Von den wirtschaftlichen Vorgängen ist besonders die Errichtung der
      Brändbachtalsperre (=Stausee =Kirnbergsee) hervorzuheben mit Grundsteinlegung am 4. Dezember 1921 und Fertigstellung sowie Inbetriebnahme 1922. Durch diese Maßnahme rettet die Stadtgemeinde einen schönen Teil ihres Vermögens gerade noch rechtzeitig vor der Inflation und dem Währungszusammenbruch (1923) und hat zudem eine kostengünstige Elektrizitätsversorgung in Eigenbesitz, während andere Gemeinden der Nachbarschaft zuschauen, wie sich ihr Vermögen in Luft auflöst.


      1923: Währungszusammenbruch / Ab etwa 1928 herrscht am in ganz Deutschland große Arbeitslosigkeit, auch in Bräunlingen ist die wirtschaftliche Lage schlecht. Es gibt private, aber auch städtische Gelegenheitsarbeiten. Nicht wenige Familien geraten in finanzielle Engpässe. Anfangs der 1930er-Jahre wird massiv getrunken (Alkoholproblem), die trinkenden Männer gehen oft nicht zum Essen heim, obwohl die Frauen gekocht haben.


      1929: Weltwirtschaftskrise


      Bereits ab 1928/29 geht beginnt die sogenannte ‚Kampfzeit‘: Es geht langsam los mit den Nationalsozialisten in Bräunlingen. Es kommt vor, dass über Nacht Hakenkreuze auf die Straße gemalt werden, mit sehr guter Farbe. Und „es gibt auch ähnliche Aktionen von anderer Seite.“ (Zeitzeuge). Zunächst besuchen in Abständen auswärtige SA-Gruppen die Stadt.


      Ende 1920er-/Anfang 1930er-Jahre veröffentlicht der Bräunlinger Stadtpfarrer Dekan Julius Meister, ein streitbares Mitglied der katholischen Zentrumspartei, im „Donauboten“, dessen Aufsichtsrat er angehört, analytische Beiträge über die Ideologie der Nationalsozialisten - teils durchaus polemisch, wie dies damals in allen Zeitungen der Fall war. Die Leserschaft kann mittels der Beiträge den antichristlichen und neuheidnischen Charakter der Nationalsozialisten klar erkennen und ist frühzeitig gewarnt.


      07.04.1930: Gründung der NSDAP-Ortsgruppe Bräunlingen (Q: DB, 08.04.1930). Auch vorher schon war Bräunlingen nationalsozialistisch ‚bewegt‘. Adolf Hitler und seine Konsorten verstanden sich als Bewegung und nicht nur als Partei. Die Wahlen 1930-1933 zeigen, dass in Bräunlingen überdurchschnittlich für die NSDAP stimmt. Ab 1931 hat Bräunlingen eine eigene SA, aus der sich die NSDAP entwickelt; die Hüfinger Stadtmusik dient als SA-Kapelle.


      1932 gipfelt die publizistische Auseinandersetzung zwischen dem „Schwarzwälder Tagblatt“, (=Kampfblatt der NSDAP) und dem „Donauboten“ (Dekan Julius Meister, Zentrum) in einer erbitterten Zeitungsfehde

       


      Wahlergebnisse in Bräunlingen von 1929 bis 1933


      (zusammengestellt von Joachim Schweitzer, Stadtarchiv Bräunlingen)

      Die Stadt Bräunlingen und die Gemeinde Bruggen bildeten bei den Reichstagswahlen einen Stimmbezirk. Im Schreiben vom 21.10.1947 an das Landratsamt Donaueschingen teilte das Bürgermeisteramt mit, dass die Wahlunterlagen der Reichstagswahlen vom 6.11.1932 bis zum Umsturz 1945 nicht mehr vorhanden sind, da sie wahrscheinlich mit den Akten der NSDAP kurz vor
      dem Umsturz verbrannt wurden. Obige Angaben habe ich jedoch im Stadtarchiv aus dem Faszikel ‚Reichstagswahlen‘ entnommen.


      Wahlergebnisse NSDAP


      Bräunlingen mit Bruggen Reich


      27.10.1929: Landtagswahl 13,8 % = 100 St. (ohne Bruggen) 6,98 % (Land)
      14.09.1930: Reichstagswahl 28,6 % = 262 Stimmen 19,3 %
      31.07.1932: Reichstagswahl 38,9 % = 434 Stimmen 37,3 %
      06.11.1932: Reichstagswahl 38,9 % = 416 Stimmen 33,1 %
      05.03.1933: Reichstagswahl 49,4 % = 588 Stimmen 43,9 %


      NSDAP-Sitze im Deutschen Reichstag (Einfügung von Christoph Nobs):


      14.09.1930 Deutscher Reichstag: Die Mandate der NSDAP steigen von 12 auf 107.


      31.07.1932 Deutscher Reischstag: Die NSDAP erringt 230 von insgesamt 608 Mandaten.


      06.11.1932 Deutscher Reichstag: Rückgang der NSDAP auf nur noch 196 Mandate.


      Anmerkung von Christoph Nobs: Insgesamt hatte Bräunlingen im Vergleich mit dem Reich (bzw. Land) jeweils einen meist deutlich höheren Stimmenanteil für die NSDAP. Sofern die Angaben für die Reichstagswahl am 06.11.1932 zutreffen, fällt auf, dass die NSDAP bei dieser Wahl in Bräunlingen exakt stabil in Prozent und Stimmen blieb, während sie bei dieser Wahl reichsweit deutliche Verluste hinzunehmen hatte und infolge eine schwere interne Parteikrise entstand.


      Wahlergebnisse Zentrumspartei


      Bräunlingen mit Bruggen Reich


      27.10.1929: Landtagswahl 56,3 % = 409 St. (ohne Bruggen) 36,66 % (Land)
      14.09.1930: Reichstagswahl 47,2 % = 433 Stimmen 11,8 %
      31.07.1932: Reichstagswahl 45,7 % = 511 Stimmen 12,4 %
      06.11.1932: Reichstagswahl 42,4 % = 453 Stimmen 11,9 %
      05.03.1933: Reichstagswahl 39,5 % = 471 Stimmen 11,3 %


      Anmerkung von Christoph Nobs: Konfessionell war die Bräunlinger Bevölkerung komplett katholisch; die Zentrumspartei war konfessionell katholisch ausgerichtet. So lassen sich die teils enormen Unterschiede in den Wahlergebnissen von Bräunlingen und Baden im Vergleich zum gesamtdeutschen Reich erklären. Wenn man die Wahlergebnisse anschaut, könnte es auf den ersten Blick nachdenklich
      machen, wie der Stimmenanteil von 56,3% (1929) innerhalb von nur 3,5 Jahren kontinuierlich auf zuletzt 39,5% (1933), also um fast 17% gesunken ist. Schaut man sich jedoch die Stimmenzahl an, hatte sich das Zentrum mehr oder weniger stabil gehalten; im Juli 1932 nahmen die Stimmen für das Zentrum sogar einmalig deutlich zu. Die Verluste des Zentrums in Prozenten können für Bräunlingen
      also nicht durch Stimmenabwanderung erklärt werden. Kathrin Banka (Seite 12) zitiert in Ihrer Studie für Donaueschingen Jürgen-Wilfried Falter aus dessen Buch Die Wähler der NSDAP 1928-1933: „Die katholische Bevölkerung [bewies] eine stärkere Resistenz gegenüber dem Nationalsozialismus“ (bei Falter, Seite 53).


      Die Zusammensetzung des Bräunlinger Gemeinderates zum 05.03.1933 ergibt sich aus dem Ergebnis der Reichstagswahl vom 5. März 1933 (ohne Berücksichtigung der Kommunistischen Partei und der Sozialistischen Kampfgemeinschaft), wobei das Bräunlinger Ergebnis mit den folgenden Stimmenzahlen zugrunde gelegt wird:

      N.S.D.A.P. 588 Stimmen = 2 Gemeinderäte
      Bad. Zentrumspartei 471 Stimmen = 2 Gemeinderäte
      SPD 46 Stimmen
      Deutsche Staatspartei 9 Stimmen
      Kampffront Schwarz-weiß-rot 8 Stimmen


      Die Wahlergebnisse für alle Parteien

      Landtagswahl 27.10.1929

      Partei, Prozent, Sitze im Reichstag, Bräunlingen+ Bruggen, Stimmen, Prozent


      Bad. Zentrumspartei 36,66 34 409 56,3
      SPD 20,07 18 72 9,9
      DVP 7,97 7 13 1,8
      NSDAP 6,98 6 100 13,8
      DDP 6,69 6 21 2,9
      KPD 5,91 5 3 0,4
      Wirtschaftspartei 3,82 3
      Evangelischer Volksdienst 3,79 3
      Badische Bauernpartei 3,03 92 12,7
      Deutschnationale VP 3,66 3 13 1,8
      Volksrechtspartei 0,72 - 3 0,4
      Christlich-Soziale Baden 0,55 -
      Leninbund 0,16 -
      Gesamt 100 88 726 100


      Reichstagswahl 14.9.1930

      Partei, Prozent, Sitze im Reichstag, Bräunlingen+ Bruggen, Stimmen, Prozent


      SPD 24,5 143 89 9,7
      NSDAP 19,3 107 262 28,6
      KPD 13,1 77 56 6,1
      Zentrum 11,8 68 433 47,2
      DNVP 7,0 41 19 2,1
      DVP 4,5 30
      Wirtschaftspartei 3,9 23
      DStP 3,8 20 58 6,3
      Landvolk 3,2 19
      BVP 3,0 19
      CSVD 2,5 14
      DBP 1,0 6
      KVP 0,8 4
      Volksrechtpartei 0,8 0
      Landbund 0,6 3
      DHP 0,4 3
      Sonstige 0,8 0
      Gesamt 100 577 917 100


      Reichstagswahl 31.7.1932

      Partei, Prozent, Sitze im Reichstag, Bräunlingen+ Bruggen, Stimmen, Prozent


      SPD 21,6 133 47 4,2
      NSDAP 37,3 230 434 38,9
      KPD 14,3 89 82 7,3
      Zentrum 12,4 75 511 45,7
      DNVP 5,9 37 11 1,0
      DVP 1,2 7 5 0,4
      Wirtschaftspartei 0,4 2
      DStP 1,0 4 27 2,4
      Landvolk 0,2 1
      BVP 3,2 22
      CSVD 1,0 3
      DBP 0,4 2
      KVP
      Volksrechtpartei 0,1 1
      Landbund 0,3 2
      DHP
      Sonstige 0,7
      Gesamt 100 608 1117 100


      Reichstagswahl 6.11.1932

      Partei, Prozent, Sitze im Reichstag, Bräunlingen+ Bruggen, Stimmen, Prozent


      SPD 20,4 121 48 4,5
      NSDAP 33,1 196 416 38,9
      KPD 16,9 100 123 11,5
      Zentrum 11,9 70 453 42,4
      DNVP 8,3 51 8 0,7
      DVP 1,9 11 17 1,6
      Wirtschaftspartei 0,3 1
      DStP 1,0 2 4 0,3
      BVP 3,1 20
      CSVD 1,1 5
      DBP 0,4 3
      Thüringer Landbund 0,2 1
      Landbund 0,3 2
      DHP 0,2 1
      Sonstige 1,1
      Gesamt 100 584 1069 100


      Reichstagswahl 5.3.1933

      Partei, Prozent, Sitze im Reichstag, Bräunlingen+ Bruggen, Stimmen, Prozent


      SPD 18,3 129 46 3,9
      NSDAP 43,9 288 588 49,4
      KPD 12,3 81 66 5,5
      Zentrum 11,3 73 471 39,5
      Kampffront
      schwarz/weiß/rot
      8,0 52 8 0,6
      DVP 1,1 2 3 0,3
      DStP 0,9 5 9 0,8
      BVP 2,7 19
      CSVD 1,0 4
      DBP 0,3 2
      Landbund 0,2 1
      DHP 0,1
      Sonstige
      Gesamt 100 647 1191 100

      30.01.1933: Hindenburg beruft Hitler zum Reichskanzler

      28.02.1933: Verordnung zum Schutze von Volk und Staat

      05.03.1933: Letzte Reichstagswahlen mit mehreren Parteien; NSDAP 288 Sitze oder 44%

      24.03.1933: Ermächtigungsgesetz

      01.04.1933: Boykott jüdischer Geschäfte

      02.05.1933: Aufhebung der Gewerkschaften

      14.07.1933: Gesetz gegen Neubildung von Parteien (Einparteienstaat)

      20.07.1933: Abschluss des Reichskonkordates mit dem Vatikan

      22.09.1933: Reichskulturkammergesetz

      12.11.1933: Erste Reichstagswahlen im Einparteienstaat (92% für die NSDAP)


      „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten auch in Bräunlingen, verbunden mit "Gleichschaltung" der gesamten Gesellschaft. Die ersten Maßnahmen, besonders zur Förderung der Wirtschaft und der Landwirtschaft, stoßen auch bei vielen Bräunlingern auf positive Resonanz.

      1933 ff (genaue Zeitangaben folgen noch): Bürgermeister Martin Müller wird abgesetzt, in seiner Ehre geschmäht und in finanzielle Nöte gebracht. Auch Ratschreiber Dr. J.B. Hornung wird entlassen. Bräunlingen hat jetzt nur noch vier Nazi-Gemeinderäte, alle anderen Gemeinderäte werden abgesetzt. Der Ortsgruppenleiter übernimmt zwischenzeitlich die Amtsgeschäfte im Rathaus, bis der neue Bürgermeister nicht gewählt, sondern von der Partei eingesetzt wird. Eigentlich will der Ortsgruppenleiter auch Bürgermeister werden, aber in der NSDAP gibt es interne Spannungen inhaltlicher und persönlicher Art, so dass während der gesamten NS-Zeit die Bräunlinger Parteispitze in sich uneins ist.

      Im Verlauf der Parteiversammlung zur Festlegung des neuen Bürgermeisters in der ‚Restauration zum Bahnhof‘ ergibt sich parteiintern eine handfeste Schlägerei. Die führenden bräunlinger Machtpositionen sind wie folgt besetzt: Theodor Weisser als NSDAP-Ortsgruppenleiter; SA-Leitung mit Dr. Liede (Betriebsleiter der Bräunlinger MEZ-Werke), Siegfried Schmid und Paul Baumeister; Bürgermeister wird Julius Hummel und Ratsschreiber Ferdinand Hofacker, der auch als Geschäftsführer der NSDAP fungiert; Bauernführer ist Hermann Ewald; die Leitung der ‚Deutschen Arbeitsfront‘ hat Fritz Nobs; die Leitung der ‚Hitlerjugend‘ hat zunächst bis 193… Lehrer Niedermann, danach Gustav Rieber.

      Organisationen, die den Nazis kritisch gegenüberstehen, sind die Kolpingfamilie, die SPD und die Turnerjugend. Kirchlicherseits bezieht bis zu seinem Ortsverbot Stadtpfarrer Dekan Julius Meister klar Stellung gegen die Nazi; in der Kirche sind immer ‚Aufpasser‘ zugegen. Vikar Walter betreibt erfolgreich Jugendarbeit und zieht sich dadurch den Unmut der konkurrierenden NS-Organisationen zu. Neben Dekan Meister wird auch gegen Vikar Walter offiziell intrigiert, so dass letzterer schon im Verlauf von 1934 versetzt wird. Vikar Ley wird von Nazis vom Fahrrad heruntergezogen und es werden ihm Schläge angedroht. Es folgen danach Pfarrer und Vikare recht unterschiedlicher Art; Vikar Alfred Burger beliefert die Nazi angeblich sogar mit internen Informationen. 

      1934 werden von der Nazi-Jugend auf der Mauer des Grabenrings Parolen gegen die Katholische Jugend geschmiert ‚Weg mit der blauen Feuerwehr!‘. 1934/1935 spielt sich das katholische Leben der Bräunlinger Jugend nur noch ‚intern‘ ab, nach Aussen hin ist fast nichts mehr. Die Teilnahme an internationalen katholischen Jugendtreffen, z.B. in Rom, stärkt in dieser Zeit einige Bräunlinger Jugendliche, die daran teilnehmen. 1937 ist die Primiz des Bräunlinger Neupriesters Eckert mit deutlichen Einschränkungen verbunden; für die Primiz von Obergfell werden 1939 nicht einmal mehr Prozession und Musik genehmigt.

      Anfangs der NS-Zeit gibt es in Bräunlingen nur ca. 20-30 Radios. Am Stadttor wird bald ein Hakenkreuzzeichen befestigt und eine Lautsprecheranlage für Bekanntmachungen, die mit Fanfarenstössen eingeleitet werden. Auch die Bräunlinger haben mit fortschreitender Zeit Angst voreinander. Wegen der GeStaPo muss man sich mit Äußerungen zurückhalten. Kämpferische Nazis gibt es in Bräunlingen einige. Dies äussert sich sprachlich durch Belästigungen u.s.w. In der Bevölkerung wird über eine vermeintliche ‚Liste‘ gerätselt. (Zeitzeugen)

      Wann (?): Umbenennung einiger Bräunlinger Straßen mit nationalsozialistischen Namen. (Welche Namen, welche Straßen?)

      Ab 1933: der Schulbetrieb ist nationalsozialistisch geprägt; die Hitlerjugend wird von Lehrer Niedermann geführt, später von Gustav Rieber. Samstags ist schulfrei, damit man bei den Pimpfen, Jungvolk und Hitlerjugend mitmachen kann. Wer nicht zu den NS-Veranstaltungen geht, muss stattdessen zur Schule. Im Samstagsunterricht sind die Lehrer verpflichtet, die Jugend ‚nationalsozialistisch‘ zu unterweisen.

      1933 wann/wie/wer (?): ‚Gleichschaltung‘ der Vereine; Verbot der Zeitungen.

      20.01.1934: Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit

      30.06. - 02.07.1934: Niederschlagung der angeblichen Röhmrevolte (SA); Mordaktion gegen politische Gegner mit Hilfe von SS und GeStaPo.

      20.10.1934: Verordnung über die „Deutsche Arbeitsfront“.

      1934: In der „Siedlung“ am Palmbuck werden zehn Reihenhäuser gebaut; Entkiesung des Gebietes entlang der Breg (= Material für den Kasernenbau in Donaueschingen). Während der folgenden Jahre werden in der NS-Zeit in Bräunlingen unter anderem folgende Bauprojekte realisiert: Bau der Reichenauer Straße, Bau von privaten Wohnhäusern, Entfernung der Dampfmaschine und Einrichtung einer Wäscherei im E-Werk. In Eigeninitiative der Bevölkerung werden an der Buchhalde, an der Steig, am Hexenbuck und am Eichhölzle Bunker gebaut. Im Schulhaus wird ein Verpflegungsdepot untergebracht.

      Wann (?): Bräunlingen verliert seinen Status als „Stadt“ und gilt jetzt nur noch als „Gemeinde“.

      1930er-Jahre: Aufführung mehrerer Schauspielfasnachten mit ‚völkischer‘ und antisemitischer Tendenz, u.a. verfasst durch den Freiburger Lehrer Hans Brandeck; ‚Re-Germanisierung‘ der Bräunlinger Fasnacht; Besuche von Studentengruppen mit dem nationalsozialistischen Volkskundeprofessor Dr. Eugen Fehrle.

      1934: Die Familie Zimmt (Vater Fritz, Mutter…. und Sohn Herbert), eine Familie jüdischen Glaubens, kommt von Sprottau/Niederschlesien nach Bräunlingen, erwirbt in der Blaumeerstraße 13 das ehemalige „Dold’sche“ Haus und eröffnet am 13.Mai dort ein Geschäft mit Textil-, Glas- und Porzellanwaren.

      Die Zeitung schreibt „Besitzwechsel und Geschäftseröffnung. Bräunlingen, 13.Mai. Herr Kaufmann Z i m m t hat hier das von ihm erworbene ehemalige Dold’sche Anwesen in der Blaumeerstraße zur Einrichtung eines Textil- und Glas- und Porzellangeschäftes umgeändert. Das Geschäft wurde am Samstag eröffnet und wir sich wohl allgemeinen Zuspruchs erfreuen dürfen“. Fritz Zimmt ist zu diesem Zeitpunkt 45 Jahre alt, Frau Zimt 27 Jahre. Sie sind mit den Donaueschinger Familien jüdischen Glaubens Guggenheim und Weil befreundet. Gegen die beiden Donaueschinger Familien wird später in der ‚Reichsprogromnacht‘ massiv vorgegangen.

      1934: Vikar Martin Walter, zusammen mit Dekan Julius Meister ein entschiedener Gegner der Nationalsozialisten, wird aus Bräunlingen wegversetzt. Sein Nachfolger, Vikar Alfred Burger, ist pro-nationalsozialistisch eingestellt und arbeitet diesen zu – zum Leidwesen der katholischen Vereine und des Pfarrers.

      16.03.1935: Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht

      1935 (wann?): der „braune“ Vikar Alfred Burger wird aus Bräunlingen wegversetzt.

      15.09.1935: Verkündigung der antisemitischen „Nürnberger Gesetze“

      23.09.1935: SA-Aktion gegen Stadtpfarrer Dekan Julius Meister; schmähliche Verabschiedung und Ortsverbot. Nachfolgend lebt Julius Meister bis zu seinem Tod in Donaueschingen. Sein Status bleibt zunächst in der Schwebe; urkundlich „verzichtet“ er erst im April 1936 auf seinen Bräunlinger Pfarrtitel.

      Noch vor Kriegsende, am 15.07.1944, stirbt er in Freiburg und wird in Donaueschingen beerdigt. Kurz nach der Aktion gegen Dekan Meister wird Bernhard Moosbrugger (Zentrum) für eine kurze Zeit nach Donaueschingen ins Gefängnis gebracht; dies ist – so ein Zeitzeuge - eine kurzfristig schützende Maßnahme des Polizisten Hirt, der dadurch angeblich eine schlimmere Deportation Moosbruggers in ein KZ verhindert.

      1936: Fa.Straub treibt den Wellpappenvertrieb jetzt stark voran (nach vorausgehenden großen Investitionen für Baumaßnahmen und Maschinen). (Später, wann?: Einführung einer Betriebskasse für den Fall von Verdienstausfällen).

      1936: Ratsschreiber und NSDAP-Geschäftsführer Ferdinand Hofacker wird „Gildenmeister“ der Bräunlinger Narrenzunft und setzt der Bräunlinger Fasnet seine ‚völkische‘ Prägung auf; außerdem auch im Heimat- und Trachtenbund, der Kilbig und in den verschiedenen kulturellen Veranstaltungen im Jahreslauf. Angeblich bringt ihn das ‚Reichserbreinheitsgesetz‘ selber in Schwierigkeiten. In der Nachkriegszeit prägt Ferdinand Hofacker weiterhin mit der ihm eigenen Art das kulturelle Leben in Bräunlingen, unter anderem organisiert er das große Jubiläum der Stadt. 1958 begeht er Suizid.

      29.03.1936: Volksbefragung: Billigung der Politik Hitlers mit 99% der Stimmen

      März 1936: Frater A. Albietz wird am 26.03.1936 zum Pfarrer von Bräunlingen ernannt. Am 30.März wird er angewiesen und soll zum 22.April nach Bräunlingen ziehen. Aufgrund seiner gesundheitlichen Verfasstheit nimmt Fr. Albietz dies aber nicht an.

      17.04.1936: Julius Meister „verzichtet“ urkundlich auf seinen Bräunlinger Pfarrtitel

      14.04.1936: Kaspar Hanner wird zum neuen Pfarrer von Bräunlingen ernannt; zum 22.04. wird er nach Bräunlingen angewiesen; ab 03.05. ist er in Bräunlingen als Pfarrer „installiert“.

      04.03.1937: Enzyklika des Papstes „Mit brennender Sorge“

      1937: Der Schützenverein wird von der SA übernommen (Zeitzeuge).

      05.11.1937: Hitler enthüllt seine Kriegspläne (Hoßbach-Niederschrift)

      09.11.1938: Großer Judenpogrom in Deutschland („Reichskristallnacht“)

      Das Kaufhaus Zimmt (Blaumeerstraße 13) wird zunehmend boykottiert. Um sich noch etwas Kundschaft zu halten, hängt Herr Zimmt ein Hinweisschild auf ‚Eingang auch von hinten‘. Auf der Straße vor dem Kaufhaus Zimmt steht nun eine Schmiererei ‚Die Juden sind unser Unglück!‘. Ein paar jüngere Arbeiter des Ortsgruppenleiters verüben im Frisörsalon Hasenfratz ein tätlichen Anschlag: Fritz Zimmt wird verprügelt und es werden ihm Zähne ausgeschlagen. Die Zimmts sehen sich zum Verkauf des Anwesens und ihres Geschäftes, ihres Hab und Guts und zur Ausreise gezwungen.

      Die Zeitung schreibt „Bräunlingen. (Im arischen Besitz). Der Grundbesitz des Fritz Zimmt, Kaufhaus, ist auf die Eheleute Ferdinand Hofacher I und Frida, geb. Scherzinger, im Zuge der Arisierung übergegangen“.

      Das Ehepaar Hofacker eröffnet am 13.Mai 1938 das „Kaufhaus Ferdi“. In der Zeitung ist hierzu zu lesen „Das Anwesen, das vorübergehend in jüdischem Besitz war, hat nun wieder einen arischen Nachfolger erhalten“. Fritz Zimmt ist Deutscher jüdischen Glaubens, hat im 1.Weltkrieg als Soldat gekämpft und eine schwere Kriegsverletzung davongetragen und ist Träger des „Eisernen Kreuzes II“ und des Deutschen Verwundetenabzeichens. Ende 1938 fahren die Zimmts zunächst nach Sprottau zu ihren Geschwistern und planen die Ausreise. Sie dürfen zwei bis drei Kisten Gepäck mitnehmen.

      Seinen Hund wollte er den Nachbarn anvertrauen, dafür sogar die Hundesteuer 2 Jahre im Voraus bezahlen, doch der Hund wird schließlich erschossen. Am 18. Februar 1939 reist die Familie zunächst nach Genua, dann mit dem Schiff nach China, Shanghai. Fritz Zimmt stirbt 1945. Seine Frau und sein Sohn Herbert leben später in Palästina/Israel, wo Herbert eine Werkstatt betreibt.

      Wann (?): auch weitere ‚andere‘ Bräunlinger haben nun unter der NS-Herrschaft zu leiden: Ein Bräunlinger hat geschielt, wird operiert und kommt infolge ‚oben aus‘, dann wird er wegen ‚schwacher Nerven‘ angeblich in eine Heil-und Pflegeanstalt eingeliefert und stirbt angeblich an Lungenentzündung. Ein anderer ist geistig recht schwach, da geht dann etwas in Richtung Sterilisation. 

      Angeblich werden mehrere Männer kastriert. Eine Familie hat einen behinderten Sohn, zu seinem Schutz behalten sie ihn im Haus versteckt, um ihn vor Schlimmeren zu bewahren. Einen Bräunlinger wird ‚geholt‘, nach ein paar Wochen ist er angeblich an Lungenentzündung gestorben (Frage: handelt es sich hier um den gleiche Person wie schon weiter oben genannt oder ist es eine andere?).

      15.03.1939: Einmarsch deutscher Truppen in Böhmen und Mähren; 23.03.1938: Einmarsch deutscher Truppen ins Memelgebiet.

      01.09.1939: Beginn des deutschen Angriffs auf Polen; 03.09.1939: Kriegserklärung der Westmächte an Deutschland.

      09.04.1940: Deutscher Überfall auf Dänemark und Norwegen

      10.05.1940: Deutscher Angriff auf Holland, Belgien, Luxemburg und Frankreich; Beginn des Westfeldzuges; 22.06.1940: Abschluss eines deutsch-französischen Waffenstillstandes.

      Wann(?): Im Schulhaus wird ein Rüstungsbetrieb eingerichtet. Viele Kriegsgefangene, Fremdarbeiter und Zwangsdeportierte aus Polen, Serbien, Frankreich und Russland kommen nach Bräunlingen. Z.B. arbeiten in der MEZ Frauen aus Russland; dort gibt es eine chemische Garnproduktion, die Lebenserwartung der dort Arbeitenden ist gering.

      Febr.1941: Aufstellung eines deutschen Afrikakorps unter Rommel

      20.05.1941: Vorkommnis an der Milchsammelstelle Bräunlingen: Die Milchsammlerin Philippine Beha (geb.01.05.1889 in Bräunlingen), äußert sich regimekritisch. Dies führt am 17.06.1941 zu einer Strafanzeige bei der GeSTaPO in Singen a.H.; Delikt: „Vergehen gegen das Heimtückegesetz“.

      22.06.1941: Beginn des deutschen Angriffs auf die Sowjetunion

      31.07.1941: Göring beauftragt Heydrich mit der völligen Evakuierung der europäischen Juden

      22.10.1941: Erste Deportierungen (von Juden) aus dem Reich angeordnet

      11.12.1941: Deutschland erklärt den Krieg an die USA

      Kriegswinter 1941 (1942?): Demontage der Bräunlinger Kirchenglocken zu Kriegszwecken (hiervon ist angeblich eine Fotografie vorhanden).

      20.01.1942: Wannseebesprechung über die Endlösung der Judenfrage

      April/Mai/Juni 1942: Vikar Kurt Habich, zuvor 2 Monate in ‚Schutzhaft‘ in Karlsruhe, ist nun als Seelsorger in Bräunlingen. Im Juni 1942 wird er bereits wieder in Schutzhaft genommen und kommt in der Zeit von Juni bis August in Gefängnisse nach Konstanz, Singen, Friedrichshafen, Ulm und Ingolstadt. Vom 7.8.1942 bis 28.März 1945 ist er im Konzentrationslager Dachau.

      Nach seiner Entlassung kommt er 1945 noch einmal kurz nach Bräunlingen und hält vor einem kleinen, ausgesuchten Zuhörerkreis einen Vortrag über seine Zeit im KZ Dachau. In der Nachkriegszeit hält er in der ganzen Erzdiözese Vorträge über das – für ihn – enttäuschende ‚feige‘ Verhalten der Katholischen Kirche während der Nazizeit. Der Amtskirche ist seine Erinnerungsarbeit lästig.

      Von den Bräunlinger Soldaten fallen vor allem die Jahrgänge 1917-1921, besonders der Jahrgang 1918. Wer nicht krank ist, ist mittlerweile beim Militär. 1942 fallen sehr viele. (Zeitzeugen)

      31.01.1943: Ende der Schlacht um Stalingrad

      22.02.1943: Hinrichtung der Geschwister Scholl

      13.03.1943: Mißglücktes Attentat auf Hitler durch Offiziere der Heeresgruppe Mitte in Rußland

      12.05.1943: Kapitulation der letzten Streitkräfte der Achse in Nordafrika

      15.07.1944: Julius Meister stirbt in Freiburg und wird hernach in Donaueschingen beerdigt.

      20.07.1944: Attentats- und Staatsstreichversuch der deutschen Opposition gegen Hitler

      16.12.1944: Beginn der Ardenenoffensive

      25.04.1945: Erster Kontakt der Westalliierten und Sowjetrussen bei Torgau an der Elbe

      30.04.1945: Selbstmord Hitlers in der Reichskanzlei in Berlin

      1945: Kurz vor Kriegsende gibt es ein Hin-und Her von SS-Truppen.; in den letzten Kriegswochen April 1945 gerät Bräunlingen unter Beschuss, jedoch kein Trommelfeuer. Im Haus Ewald (Hauptstrasse) brennt der Dachstuhl; in der Sommergasse werden Häuser durch Bomben beschädigt; ein Gussbrunnen wird zerstört.

      1.Mai (?) 1945: Vikar Ley und ein französischer Kriegsgefangener werden initiativ und bewahren Bräunlingen vor einem Trommelfeuerbeschuss, indem sie mit den von Hüfingen her kommenden Franzosen und Marokkanern in Kontakt treten und mitteilen, die Stadt sei offen und leiste keinen Widerstand. Zwei französische Panzer fahren durch das Stadttor in die Kirchstrasse und machen vor dem Rathaus Halt. Einige Bräunlinger hängen die weiße Fahne aus den Fenstern. In der folgenden Nacht zieht die SS durch die Stadt und erkundigt sich danach, wer die weiße Fahne beim Kirchturm ausgehängt hat. Der NSDAP-Ortsgruppenleiter hält sich versteckt und flüchtet später heimlich in einem Heuwagen und bleibt 2 Jahre lang an einem geheimen Ort (unseres Wissens bei Verwandtschaft in der Schweiz). Die Soldaten beschlagnahmen die Bürstenfabrik Schmid und richten dort Quartier ein. Das ‚Gouvernement francaise‘ wird in der Schreinerwerkstatt von Karl Baumeister eingerichtet.

      Auch in einigen anderen Wohnhäusern wird der 1.Stock beschlagnahmt und Quartier bezogen. Ebenfalls beschlagnahmt werden das Bauunternehmen Simmerer und die Gasthäuser Adler, Graf, Linde und Fortuna. Mit den französisch-marokkanischen Soldaten ‚konnte man noch zufrieden sein‘, es werden jedoch einige Frauen vergewaltigt. Es kommt zu einigen kleinen Plünderungen, z.B. Silberbestecke. Einige Bräunlinger Nazi werden zunächst nach Hüfingen in einem KZ interniert, u.a. auch der Schützenmeister – ganz anders Prinz Max von Fürstenberg: obwohl er in nationalsozialistischer Funktion war, wird er nicht interniert und wird sogar für kurze Zeit Landrat, er bemüht sich jedoch, dieses Amt so schnell als möglich wieder los zu werden. 

      Ein Bräunlinger Polizist wird in der Hüfinger Internierung geschlagen, weil er früher einen polnischen Kriegsgefangenen ‚wie Vieh‘ behandelt hat. Einige Bräunlinger mit fraglichem Charakter, die anfangs der NS-Zeit zur NSDAP ‚übergelaufen‘ waren, wenden jetzt wieder ihr Fähnchen und haben ‚viel zu sagen‘. Erst gegen Ende der 40er-Jahre ‚normalisieren‘ sich die Verhältnisse in der Bräunlinger Bürgerschaft.

      02.05.1945: Kapitulation der Reichshauptstadt Berlin

      09.05.1945: Bedingungslose Kapitulation Deutschlands

      Wann (?): Die Franzosen erbeten Vorschläge für die Einsetzung eines Bürgermeisters. Im Gespräch sind drei Personen: Dachs (Kommunist), Bernhard Moosbrugger und Carl Hornung (beide Zentrum), die beide aus verschiedenen Gründen ablehnen. Schließlich erklärt sich Johannes Zirlewagen bereit und wird von den Franzosen als Bürgermeister eingesetzt. Er macht sich bei der Bevölkerung nicht gerade beliebt, weil er die Anweisungen der Franzosen ausführt und ‚den Leuten das Vieh aus den Ställen holt‘.

      Wann (?): „Entnazifizierungsprozesse“ auch für Bräunlinger Bürger.

      Nach Ende der NS-Herrschaft:„Die, die sich keine Vorwürfe machen mussten, traten nicht nach außen. Wiederum nahm man auch geschäftliche Rücksichten… Der Jugend scheute man zu erzählen, was man als Soldat erlebt hatte“ und „an einer Vergangenheitsbewältigung war man nicht interessiert, man musste sorgen, dass man was zu essen hatte“. (Zeitzeugen)


      Ende 1945 (Nov/Dez): Amtliche Feststellung von Kriegsschäden im Landkreis Donaueschingen. Für Bräunlingen ist notiert: 4 Häuser ganz zerstört, 162 teilweise.

      Dezember 1945: „Zurückhaltung von Waren verboten“, Bezugsbescheinigung (Zeitung)

      „Nach dem zweiten Weltkrieg“ (wann?): Fa. Straub-Wellpappe baut ein neues Fabrikgebäude hinter der ehemaligen Mühle und kauft eine neue, moderne Wellpappenanlage. Mit der Gründung der Papierfabrik Vreden schafft die Firma 1952 eine komplette Lieferkette.

      26.01.1946: Volkszählung – (Ergebnisse:…..)

      02.04.1946: Gründung „Christlich Soziale Volkspartei“

      09.09.1946: Gründung des Verbands der Körpergeschädigten, Arbeitsinvaliden und Hinterbliebenen

      1946: die Bräunlinger Bevölkerung erlebt dieses Jahr als das ‚ärmste‘ Jahr. Nach dem Krieg gibt es ein paar tragische Vorkommnisse, z.B. versehentliche Schüsse mit anschließendem Handgemenge, bei dem zwei Franzosen getötet wurden.

      Ab 1946 wird bei Straub und MEZ wieder produziert – nach dem Krieg geht es ‚irgendwie‘ weiter, alle arbeiten wieder, Arbeit ist mässig da. (Zeitzeuge)

      Hier einarbeiten: Daten der Gemeindewahl 17.9.1946 und der Bürgermeisterwahl 22. September 1946 aus Q: „Politischer Neuanfang in Bräunlingen“

      Frühjahr 1948: viele Flüchtlinge aus Ostpreussen und andernorts kommen bzw. werden zwangszugewiesen, das erreicht 1949 seinen Höhepunkt. Bräunlingen beherbergt insgesamt ca. 500 Flüchtlinge. Der Landkreis liefert sie vor dem Rathaus ab, für alles Weitere hat die Stadt zu sorgen. ‚Die Gewöhnung an die Kriegsflüchtlinge ging lang‘.

      Februar: Erste Fasnacht der Hanselgilde/Narrenzunft nach dem Krieg

      Juli: Erweiterung der Baumwollspinnerei in der Fa. MEZ AG, weibliche Arbeitskräfte gesucht.

      Juli: Adolf Schmid II eröffnet sein „Lichtspieltheater“ (Saal im „Reichsadler“).

      August: Milchverwertungsbescheid. Landwirte schicken eine Resolution ans Wirtschaftsministerium, sie fordern Schuhwerk, Kleidung und landwirtschaftliche Maschinen.

      Oktober: „Flüchtlingsaufnahme mit Schwierigkeiten“ – Platz ist vorhanden, mehr Verständnis für die Not der anderen! (Zeitung)

      18.10.1948: Erster „Schätzelemärt“ nach dem 2.Weltkrieg

      14.11.1948: Gemeinde- u. Kreistagswahlen (Daten hier einarbeiten)

      29.11. / 5.12.1948: Bürgermeisterwahlen (Daten hier einarbeiten)

      Bürgermeisterwahl in Bräunlingen. Die CDU will den bisherigen von den Franzosen eingesetzten Bürgermeister Johann Zirlewagen nicht aufstellen, den sie zwar für einen ehrlichen Menschen hält, aber nicht als geeignete Persönlichkeit. Gründung der „Bürgervereinigung“ u.a. mit Ferdinand Hofacker. Die Bürgervereinigung will den ehemaligen NS-Bürgermeister Julius Hummel als Kandidat für die Bürgermeisterwahl aufstellen. In der Bürgervereinigung schließen sich einige ‚nationalsozialistische Aushängeschilder‘ zusammen, unter anderem auch, weil sie von der CDU nicht genommen werden. Schließlich treten zwei Kandidaten an: Johann Zirlewagen und Bernhard Blenkle. Bernhard Blenkle gewinnt die Wahl knapp vor Johann Zirlewagen und wird Bürgermeister. Johann Zirlewagen hat sich zuvor in den Gemeinderat wählen lassen und ist somit weiterhin im Rat der Stadt. „Danach war Einigkeit im Bräunlinger Stadtrat“. In der ersten Nachkriegswahl (zum Gemeinderat?) „erhielten die Kommunisten 99 Stimmen“ (Zeitzeugen).

      23.12.1948: Einwohnerschaftsversammlung (Turnhalle): u.a.: Flüchtlingsfragen/Neubürger

      Hier einarbeiten: Daten der Bundestagswahl 14.08.1949 aus Q: Politischer Neuanfang

      Wann?: Angehörige werden gesucht – Heimatvertriebene – Flüchtlingsausschuß. „Kriegsvermißte können für tot erklärt werden (Amtsgericht Donaueschingen).

      Mai: Neubau Wohnungen Sommergasse

      Mai: Schülerspeisung für Kinder

      Juli: Erstes „Gauturnfest“ nach dem Krieg

      1950, wann?: Aufforderung an die Einwohnerschaft, ehemaliges Wehrmachtseigentum und Gegenstände zweifelhafter Herkunft (Fahrzeuge, Tiere, Baracken) abzugeben.

      Februar 1950: Gewerkschaftsgründung Textil in der MEZ AG – hatte seit Währungsreform geruht.

      April 1950: Bräunlinger Ortsnetz wird auf Drehstrom umgestellt.

      Juli 1950, Fest Peter u. Paul: Weihe der neuen Kirchenglocken

      Juli 1950: Richtfest der Siedlung im Gewann Ebermann: „Mehr Flüchtlinge als Aufnahmeraum“.

      August 1950: „Rege Bautätigkeit in Bräunlingen“ (Zeitung)

      September 1950: „Neubürger, Wohnraum und Arbeitsplätze“ (Zeitung)

      Hier einarbeiten: Daten der unverbindlichen Volksbefragung zum Südweststaat 24.09.1950 aus Q: politischer Neuanfang

      Hier einarbeiten: Daten der Volksabstimmung zum Südweststaat 09.12.1951 aus Q: Politischer Neuanfang

      1950er-Jahre: wichtige Projekte der Stadt werden angegangen: Stadthallenbau, Bregbegradigung, Umbau des Elektronetzes, Stauseeerweiterung.

      1953/1954: Die Stadt Bräunlingen erhält aus Donaueschingen die Mitteilung, das Holzkreuz auf dem Grab von Dekan Meister sei arg mitgenommen, ob die Stadt Bräunlingen nicht als Anerkennung des Unrechts, das Meister angetan wurde, einen Grabstein stiften wolle. Die Stadt veranlasst einen Grabstein.

      1964: Veröffentlichung der „Geschichte der Stadt Bräunlingen“ von Dr. Johann Baptist Hornung im Selbstverlag der Stadt Bräunlingen; Dr. Hornung geht auf die zurückliegende nationalsozialistische Zeit Bräunlingens so gut wie nicht ein.

      Mit Ausnahme der Sammlung von Zeitzeugenaussagen (1991-1993), 1996 herausgegeben durch einen selbstorganisierten Arbeitskreis, sowie zwei kleineren Befunden von Christoph Nobs zu Hornungs u. Balzers Stadtgeschichtsbüchern inklusive jüdischer Geschichte, dem Beitrag zu „Dekan Julius Meister“ von Richard Zahlten (1997) und dem Beitrag „Fasnet und der Nationalsozialismus“ von Wolfgang Kropfreiter in der Festschrift der Narrenzunft (Dezember 2014), wurde unserer Kenntnis zufolge „offiziell“ bisher die örtliche NS-Zeit nicht aufgearbeitet und es finden sich auch im Kelnhofmuseum keine Hinweise.

      Die Stadt Bräunlingen veranlasst einen unkommentierten Nachdruck von Dr. Eugen Balzers Stadtgeschichte aus dem Jahre 1903.

      In Donaueschingen findet ein Treffen statt von Pfarrern, die im KZ waren. Obwohl es einigen Bräunlingern gesagt wird, ‚gestiert‘ sich die Bräunlinger Gemeinde nicht. (Zeitzeuge)

      „1991 gab es ein Fest im Kindergartenhof. Dort machte ein Alt-Nazi eine einschlägige Bemerkung, woraufhin die Tischgesellschaft energisch widersprach und die Emotionen hochgingen“ (Zeitzeuge)

      Aufgrund der zufälligen Entdeckung, dass die Ruhezeit des Grabes von Dekan Meister in Donaueschingen abgelaufen ist und das Grab aufgehoben werden soll, kommt sein Grab nun nach Bräunlingen zu den Priestergräbern an der Remigiuskirche. Am Allerheiligenfest feierliche Segnung.

      Interviews mit bräunlinger Zeitzeugen

      Redaktionelle Bearbeitung der Zeitzeugengespräche, dazu Gruppengespräche mit den Zeitzeugen.

      Volkstrauertag, 17.11.1996: In einer ersten öffentlichen Veranstaltung werden die Zeitzeugenaussagen vorgestellt mit anschließender Diskussion. Mit Unterstützung der Stadt Bräunlingen werden die Zeitzeugenaussagen als schriftliches Dokument der Bürgerschaft, den Schulen und anderen Interessierten zur Verfügung gestellt.

      Der aus Bräunlingen stammende Psychoanalytiker Tilmann Moser hält den Einleitungsvortrag und moderiert die Veranstaltung.

      12. Januar 1997: zweite öffentliche Veranstaltung zur Vergangenheitsbewältigung mit Weiterführung der Diskussion. Der Schwerpunkt liegt diesmal bei den Rückmeldungen zu den Zeitzeugenaussagen.

      März 1997: Richard Zahlten veröffentlicht sein Buch „Die Unbeherrschbaren. Priesterlicher Widerstand im Landkapitel Donaueschingen 1933-1945“, darin auch die Geschehnisse um den Bräunlinger Dekan und Stadtpfarrer Julius Meister und Vikar Martin Walter.

      4. Mai 1997: dritte öffentliche Veranstaltung zur Vergangenheitsbewältigung mit Weiterführung der Diskussion. Der Schwerpunkt ist die Frage der damaligen und heutigen Verangenheitsbewältigung.

      21. Sept. 1997: vierte und vorläufig letzte öffentliche Veranstaltung zur Vergangenheistbewältigung, diesmal zum Thema „Kriegsende und Bestatzungszeit“. Arnulf Moser, der Bruder von Tilmann Moser, hält hierzu einen Vortrag.

      Der Arbeitskreis erinnert in Abständen den Bürgermeister und die Museumsbeautragte an die Zusage, die Zeit des Nationalsozialismus im Kelnhofmuseum zur Darstellung zu bringen. Die jährlichen Reden des Bürgermeisters zum Volkstrauertag sind von hoher Sensibilität und Wachsamkeit geprägt.

      Dezember: Zum 125-jährigen Bestehen der Narrenzunft „Eintracht“ Bräunlingen erscheint deren Festschrift als Buch. Der Beitrag „Fasnet und der Nationalsozialismus“ sorgt für eine kritische Aufarbeitung. Historische Fotografien, Zeitungsbeiträge und andere Quellendokumente werden gesichert.

      Sommer 2017: Rüdiger Schell, pensionierter Donaueschinger Gymnasiallehrer für Geschichte, arbeitet seit einiger Zeit intensiv mit örtlicher Perspektive am Thema ‚Zwangsarbeit in der NS-Zeit‘.

      Sommer/Herbst 2017: der Arbeitskreis „Bräunlingen in der Zeit des Nationalsozialismus“ reaktiviert sich. Beschlussfassung für die Homepage www.Geschichtswerkstatt-Braeunlingen.de als offenes Projekt. Außerdem Überlegungen zu gelegentlichen Veranstaltungen mit Aktualitätsbezug. Kontaktaufnahme mit verschiedenen Personen, Initiativen und Institutionen, die andernorts NS-Themen aufarbeiten.

      Donaueschingen präsentiert eine Ausstellung und Veranstaltungsreihe zum Gedenken des 75. Todestag von Heinrich Feuerstein.

      Friedrich Engelke (Furtwangen/Pfaffenweiler) und Hans Keusen (Bräunlingen) arbeiten am Thema „NS-Euthanasie“ und belegen sieben "Fälle" für Bräunlingen mit Döggingen und Bruggen.

      Mit einem Pressebericht am 22.11.2017 wird die Bevölkerung informiert über die neue Website und die „Geschichtswerkstatt Bräunlingen“; damit verbunden der Aufruf an die Bevölkerung zur Mitwirkung.

      Vorarbeiten für das 75.Todesjahr-Gedenken "Julius Meister" 2019.

      20. September 2025: In Zusammenarbeit mit dem katholischen Bildungswerk Bräunlingen veranstaltet die Geschichtswerkstatt ein Gedenken zum 75.Todesjahr von Julius Meister mit Gottesdienst und Vortrag (dabei auch erstmalig öffentlich namentliche Erwähnung von sieben "Euthanasie"-Morden), tags darauf Priestergrabbesuch. Bereits am 15. September Veröffentlichung eines Gedenk-Artikels im "Konradsblatt" (Wochenzeitung für die Erzdiözese Freiburg). 

      Die Geschichtswerkstatt installiert eine Gedenktafel am Priestergrab von Julius Meister.

      Aus Israel sind Helen Schächter und Ronnen Zimmt (Nachkommen der Familie Zimmt) anlässlich des Gedenkens zum 75. Todesjahr Dekan Meisters mehrere Tage in Bräunlingen.

      Die Geschichtswerkstatt installiert am ehemaligen "Kaufhaus Zimmt", Blaumeerstrasse 13, eine Erinnerungstafel an die Flucht bzw. Vertreibung.

      Februar 2020: Im Nachklang zum Gedenken 2019 istallieren die katholische Pfarrei und die Stadtverwaltung Bräunlingen am Pfarrhaus eine Gedenktafel für Julius Meister.

      Vertiefende Recherchen für ein angedachtes Buchprojekt zum Nationalsozialismus in Bräunlingen. Unter anderem wird anhand seiner Personalakte die kirchliche Biografie des intriganten "Nazi-Vikars" Alfred Burger (1934/1935 in Bräunlingen) offenkundig und sein verborgenes Leben nach 1945 bis zu seinem Tod 1973 mit Schwerpunkt in Villingen. Dort ist seine Grabplatte in der Reihe der Priestergräber zu finden (Stand 2025).

      Vortrag im Kelnhofmuseum von Joachim Schweitzer: "Martin Müller - Bürgermeister in schweren Zeiten". (Der Vortrag ist abrufbar auf der Website des Kelnhofmuseums).

      Juni 2023: Abgabe der Bachelorarbeit von Rafael Scherzinger an der Uni Mannheim, Philosophische Fakultät, zum Thema "Flucht und Wiedergutmachung" am Beispiel der deutsch-jüdischen Familie Zimmt aus Bräunlingen. Die Arbeit konzentriert sich auf die  "Wiedergutmachungsleistungen" in den frühen Jahrzehnten der Bundesrepublik Deutschland. Die Arbeit liefert und dokumentiert damit für die Öffentlichkeit erstmals belegtes Wissen zu den Vorgängen um das Bräunlinger "Kaufhaus Zimmt" Ende 1938/Anfang 1939 und die Fluchtgeschichte der Familie Zimmt.

      29. April 2024: Dr. Tilmann Moser, der die NS-Erinnerungsarbeit kontinuierlich im Hintergrund unterstützt hat, stirbt am 29. April in Freiburg i.Br.  Er hatte sich v.a. 1996/1997 aktiv beiteiligt als Referent und Moderator bei den Veranstaltungen zur Vergangenheitsaufarbeitung in Bräunlingen.

      Bundestagswahl 23. Februar 2025

      Bräunlingen: Wahlbeteiligung 86,9% -
      Die AfD erreicht 20,2 Prozent und gewinnt stark (+12,0 Prozentpunkte). Die SPD verliert stark (-6,8 Prozentpunkte) und erzielt 12,7 Prozent der gültigen Stimmen. Die CDU erreicht 38,2 Prozent und gewinnt stark (+9,1 Prozentpunkte). Die Grünen erzielen 10,0 Prozent und verlieren deutlich (-4,3 Prozentpunkte). Die FDP verliert stark (-11,2 Prozentpunkte) und kommt auf 6,5 Prozent.  Die Linke erzielt 3,9 Prozent und gewinnt leicht (+2,0 Prozentpunkte). Die 2021 nicht angetretene Partei BSW bekommt 4,1 Prozent. 

      [Quelle, eingesehen am 22.04.2025: https://bundestagswahl-2025-bw.swr.de/public/ec/ergebnis-braeunlingen.html]

      19. März 2025: Helen Schächter stirbt in Israel in Folge eines längeren Krebsleidens. Als Tochter von Sofie Zimmt wurde sie geboren im Flucht-Exil in Shanghai und war bis anhin die letzte Shoa-Überlebende Zeitzeugin der Familie Zimmt/Schächter bis zuletzt in Israel. Einige Personenl der nachfolgenden Generationen der Familie Zimmt/Schächter leben in Israel und verfügen über eine ansehnliche Zahl von historischen Fotografien und Dokumenten.
       
      April 2025: Die Stadt Bräunlingen und der "Kulturförderverein" wollen jetzt das 20. Jahrhundert im Kelnhof-Museum dokumentieren. Hierzu Aufruf an Alle zur Beisteuerung von historischen Dokumenten und Gegenständen.

      (Stand: 23.05.2025)

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